Eigentlich hatte alles ganz gut angefangen. Zug erwischt, Kollegen getroffen, Flug pünktlich. Damit kann man arbeiten.
Aber dann kam die erste Passkontrolle auf amerikanischem Grund. Zuerst schien alles ganz normal. Ich habe brav meine Fingerabdrücke abgegeben und ein Foto von mir schießen lassen. Doch bald wurden Fragen gestellt, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie jedem gestellt werden. Welchen Beruf ich denn hätte? OK. Wie oft ich schon in Amerika war und wann zum letzten Mal? Hm. Ob ich meinen vorherigen, nicht mehr gültigen Reisepass dabei hätte? Häh?
Plötzlich war es dann auch wichtiger, mich ins Büro der Sicherheitsbehörden zu eskortieren, als die restlichen USA-Gäste in der Reihe abzufertigen. Die können ja warten.
Ob irgendwas nicht in Ordnung wäre, fragte ich den immer noch freundlichen, aber doch irgendwie angespannteren Officer. Ja ja, sagte er, „just a few double checks“. Er führte mich dann in einen Bürobereich, in dem ca. 15-20 Uniformierte ihren Homeland-Security-Auftrag erfüllten und zwei bis drei potenzielle Terroristen bewachten, die es sich auf den Stuhlreihen bequem gemacht hatten, auf denen ich auch eine Weile warten sollte. Einer dunkelhäutigen Frau wurde gerade mitgeteilt, dass sie eine 10-jährige Verbannung aus den USA erhielt, wofür auch immer.
Zehn Minuten später rief jemand „Jan Sknieder“ durch den Raum, und ich wusste, jetzt geht es weiter. Ich wurde zu einem mir bisher nicht bekannten Officer gerufen, der mir einige weitere Fragen stellte. Augenfarbe, Haarfarbe (ja, er hat mich das gefragt), Größe (die 1,90 m musste er mit Hilfe einer Tabelle in ihm vertraute Einheiten übersetzen), Name der Mutter, Mädchenname der Mutter (wie war der nochmal?), Name des Vaters, Geburtsort. Dann sagte er mir, das könne jetzt etwas dauern, sie müssten einige Telefonate führen. Jemand der so ähnlich heißt wie ich wäre gesucht.
Ach. Ich bin mir sicher, dass eine ganze Menge der 100.000 Jan Schneiders da draußen gesucht sind. Das heißt dann wohl, dass ich bei meinen nächsten USA-Reisen etwas Extrazeit einplanen sollte, richtig? Kann ich wohl mit Tim einen Klub aufmachen.
Ich hoffte innerlich, dass Dirk, der in der Reihe hinter mir stand, beobachtet hatte, wohin ich abgeführt wurde, und mit Christoph auf mich wartete. Denn ob mein Handy in Amerika funktioniert, das hatte ich noch nicht herausgefunden. Und benutzen durfte ich es natürlich auch nicht.
Eine halbe Stunde später hatte ich Gewissheit: Ja, sie hatten gewartet. Die Gewissheit entstand aber nicht aus meiner Freilassung, vielmehr hatte Dirk sich am Eingang des Büros aufgebaut und meinen Namen gerufen. Das kam bei den eher finsteren Beamten im Eingangsberich nur mittelgut an, schließlich war ich noch nicht endgültig als Nicht-Terrorist erkannt. Das konnte ich mir denken und so habe ich zunächst darauf verzichtet, Dirk zu antworten, und nur beobachtet, wie er anfing, mit einem der Officers zu diskutieren. Als ich mich nach einer Weile, die die Diskussion zwischen den beiden dauerte, doch mal anfing, ihnen zu nähern, endete das in einem äußerst strengen „do me a favor and sit down back over there“, sodass ich Dirk nicht sagen konnte, was los war.
Später: Ein Sicherheitsmensch, den ich noch gar nicht kannte, schlich sich von der Seite an mich: „Djän Snyder?“ Ja. Ob ich einen zweiten Vornamen hätte. Nein. Mit einem schmerzhaften „Ouh!“-Laut, der klang, als würde ein 1&1-Servicetechniker, der den DSL-Zugang freischalten soll, feststellen, dass die einzige Telefondose in der Wohnung gar nicht verkabelt ist, zog der Beamte dann wieder von dannen.
Wieder warten. Dann die Erlösung. Eine gute Stunde nach meiner Einlieferung kam jemand zu mir, gab mir meinen Reisepass zurück, und schickte mich mit einem „you are free to go now“ in die Freiheit zurück. Willkommen in Amerika!